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7.100 € für den Wiederaufbau


Seit dem Erdbeben vom 12. Mai in Sichuan konnte die GDCF Düsseldorf zusammen mit ihren Partnern in verschiedenen Spendenaktionen eine Summe von bislang stolzen 7.100 EUR sammeln. Nach Abstimmung mit den örtlichen Behörden und in enger Zusammenarbeit mit unserer Partnerorganisation vor Ort, der Freundschaftsgesellschaft in Sichuan (Sichuan Youxie) fließt dieser Betrag nun unmittelbar in den Wiederaufbau der Jiuling-Schule 九岭学校 in der Stadt Jiangyou.
Am 27. August war es endlich soweit: In feierlichem Rahmen konnte unser Spendenbetrag durch den 2. Vorsitzenden der GDCF, Michael Ruhland, an die Schule übergeben werden. Dabei bot sich ihm die Gelegenheit, mehr über die Zustände in dem vom Erdbeben verwüsteten Gebiet vor Ort zu erfahren Lesen Sie nachfolgend seinen anschaulichen Reisebericht.

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Dienstag 26. August 2008

Endlich geht es los, Richtung Sichuan. Der Flug von Peking in die Provinzhauptstadt Chengdu ist um 10:55. Pünktlich hebt die Maschine ab. Neben mir sitzt Frank X. Dunne, Geschäftsführer des nichtstaatlichen Earthquake Resource Centers in Chengdu. Eigentlich kümmert er sich um Hilfsprojekte im tibetischen Hochland, doch seit drei Monaten sind er und seine zwölf Helfer darum bemüht, in den vom Erdbeben zerstörten Städten und Dörfern Hilfe zur Selbsthilfe zu organisieren. Er erzählt mir auf dem zweieinhalbstündigen Flug viel über die Situation direkt nach dem Beben und über den Stand der gegenwärtigen Hilfsmaßnahmen. Ohne die sofortige Hilfe der Volksarmee, so ist er sich sicher, wäre die Zahl der Opfer deutlich höher ausgefallen. Er spricht davon, dass sich die Erde sekundenlang über einen Meter hin und her bewegt hat und dass das Erdbeben in den weitläufigen Bergregionen ein unbeschreibliches Grollen hervorgerufen hat. Im Moment bereitet Frank der Aufbau eines Netzwerkes von alleinstehenden Hinterbliebenen mit Kindern, das größte Kopfzerbrechen. Auf dem Land spielt die alte Familienstruktur noch eine bedeutende Rolle. Er ist aber zuversichtlich, über Kinderspielgruppen die alleinstehenden Mütter und Väter in das Programm einbinden zu können und den Betroffenen wieder eine familiäre Perspektive geben zu können.

Viel zu schnell vergeht die Zeit, dank der angeregten Unterhaltung. Am Flughafen erwartet mich bereits Herr Yang Yucheng von der Sichuan Provincial People’s Association for Friendship with Foreign Countries (SIFA). Schnell geht es mit dem uns zur Verfügung stehenden Minibus zu dem von mir gebuchten Hotel. Nach einer kurzen Besprechung über unser morgiges Programm ist der offizielle Teil des Tages vorbei.

Mittwoch 27. August 2008

Um 7:50 Uhr fährt der Minibus wieder vor dem Hotel vor. Nun geht es los, Richtung Erdbebengebiet. Bis nach Jiangyou sind es ca. 220 km. Noch ist der morgendliche Berufsverkehr ruhig und schnell gelangen wir durch die Vorstadt zum Expressway. Dieser ist gut ausgebaut und in schneller Fahrt geht es nun Richtung Jiangyou. Gespannt blicke ich durchs Fenster. Von der zerstörerischen Kraft des Erdbebens beiderseits der Autobahn ist hier noch nichts zu sehen. Schon bin ich fast etwas enttäuscht, aber wir sind ja noch relativ weit vom eigentlichen Zentrum der Katastrophe entfernt. Frank hatte mir doch gesagt, dass die Schäden in Jiangyou bedeutend seien, er war erst kürzlich dagewesen.

Um 9:45 klingelt das Handy von Herrn Yang. Unser Empfangskomitee erwartet uns bereits kurz hinter der Mautstation von Jiangyou. Und tatsächlich nach knapp zwei Stunden erreichen wir die Ortschaft. Da steht auch schon das Auto von Frau Ge Xiu. Sie ist die Vertreterin des People’s Government of Jiangyou City und Deputy Secretary General of the People’s Government und the external affair overseas Chinese affair office director in Personalunion. Nach einer kurzen Begrüßung geht es gleich weiter Richtung Schule.

Bis zur Juiling Schule ist es nicht mehr weit. Nach ein paar hundert Metern auf der prächtigen vierspurigen Einfallstraße nach Jiangyou biegen wir links ab. Noch ist nichts non der Schule zu sehen. Nur ein riesiges Trümmerfeld mit einem Bagger. Daneben Wellblechhütten. Das also ist bzw. war die Jiuling Schule. Schon eilt der Schulrektor Herr She Jiaoguo und weitere Funktionäre herbei. Die Begrüßung ist herzlich, zwei Kamerateams bekommen die gewünschten Bilder.

Zunächst gibt Herr She einen kurzen Überblick, bevor wir zu einem kurzen Rundgang durch das Schulgelände starten. Viel gibt es von den alten Gebäuden allerdings nicht mehr zu sehen. Die meisten sind während des Erdbebens am 12. Mai eingestürzt und die verbliebenen Mauerreste größtenteils abgetragen. Einzig das Wohnheim der Lehrer scheint unbeschädigt. Und dem ist auch so. Ein Gutachter hat erst in den letzten Tagen grünes Licht gegeben, nach einigen Sicherungsarbeiten, die jetzt in Angriff genommen werden, kann das Gebäude wieder bezogen werden.

Zunächst ist es mucksmäuschenstill zwischen den vielen Wellblechbaracken, in denen derzeit unterrichtet wird. Bald ist mir klar, hier werden heute die Abschlussprüfungen vom letzten Schuljahr nachgeholt. Seit dem 12. Mai fand ja kein Unterricht mehr statt. Und erst seit einer Woche sind die Schüler in ihre Schule zurückgekehrt. Die Pausenglocke schrillt und ein Heer kleiner Chinesen stürmt aus den provisorischen Unterrichträumen heraus. Schnell bin ich umringt. So viele Ausländer scheint es bisher noch nicht nach Jiangyou verschlagen zu haben. Rektor She bittet mich, in einer der Klassen eine kurze Ansprache zu halten, was ich auch gerne tue. Meine spontane Rede wird mit viel Beifall honoriert.

Wir begeben uns in den provisorischen Konferenzraum. Ein großes rotes Spruchband hängt an der Längsseite des Raumes, auf dem die GDCF Düsseldorf e.V. herzlichst begrüßt wird.

Mittlerweile ist auch die stellvertretende Bürgermeisterin von Jiangyou, Frau Tang Chuanfeng, eingetroffen. Doch zunächst erfolgt ein Bericht von Schuldirektor She. Von den 1.240 Kindern, die vor dem Beben die Schule besuchten, sind nun ca. 1.100 zurückgekehrt. Unterrichtet wird von der ersten bis zur neunten Klasse. Auch ein Kindergarten ist der Schule angeschlossen. Wie kommt es zu dieser Differenz? Herr She hatte doch kurz vorher gesagt, dass zwölf Kinder während des Bebens verletzt wurden und ein Lehrer getötet wurde. Doch die Erklärung folgt gleich, die Eltern der Kinder sind weggezogen, daher sind im Moment weniger Kinder an der Schule eingeschrieben. Derzeit findet der Unterricht in Wellblechhütten und Zelten statt, die von der Partnerprovinz Henan gespendet wurden. Herr She führt im Folgenden weiter aus, dass der Wiederaufbau der Schule ca. zwei Jahre dauern wird. Bei den anstehenden Neubauarbeiten spielt die Erweiterung des Schlaftraktes für die vielen Schüler und Schülerinnen eine wichtige Rolle. Vorher bestand die Jiuling-Schule aus vier Schulen an unterschiedlichen Orten. Da diese nun alle komplett zerstört sind, wurde beschlossen, hier an Ort und Stelle einen Neubau für alle Schüler und Schülerinnen zu errichten. Dadurch wird jedoch der Schulweg für viele der Bauernkinder zu lange und daher ist es notwendig, ein entsprechend großes Wohnheim zu errichten. Rektor She freut sich schon jetzt auf die zukünftige Kooperation mit der Chinesischen Schule Düsseldorf e.V. und der GDCF Düsseldorf e.V.

Danach kommt ein Bericht von Frau Liu von der städtischen Disziplinar- und Schulbehörde über allgemeine bildungspolitische Fragen. Es schließt sich die Rede von Frau Vizebürgermeisterin Tang an. Sie macht darauf aufmerksam, dass Jiangyou und Düsseldorf einige Gemeinsamkeiten haben. Jiangyou ist der Geburtsort des vielleicht berühmtesten chinesischen Dichters Li Bai. Düsseldorf ist die Heimatstadt von Heinrich Heine. Aber auch die hier ansässige Industrie ist mit der Düsseldorfs vergleichbar. Und nun unsere finanzielle Unterstützung der Jiuling-Schule, das seien doch besonders gute Vorzeichen. Es folgt noch die Rede von Frau Ge, die uns am Stadteingang empfangen hat, die Ähnliches wiederholt.

Anschließend richte ich noch ein paar Grußworte an die anwesenden Funktionäre. Erkläre dabei die Arbeit der GDCF Düsseldorf e.V. und der chinesischen Schule Düsseldorf e.V.

Eine Schülerin der 7. Jahrgangsstufe verliest mit bewegender Stimme den von Sun Xiaofan geschriebenen Brief der Chinesischen Schule Düsseldorf e. V. Alle Anwesenden sind tief bewegt und es wird eifrig diskutiert, während auf einem schnell aufgebauten PC meine CD mit den Bildern von unseren Spendenaktionen und den Briefen der Schüler der chinesischen Schule Düsseldorf e.V. läuft.

Es folgt die feierliche Übergabe unserer Spende in Höhe von € 7.100,00. Von chinesischer Seite ist hierfür sogar eine große Spendentafel vorbereitet worden. Anschließend wird der Empfang des Spendenbetrags ordentlich quittiert.

Den Abschluss bildet die von Rektor She und mir unterzeichnete Absichtserklärung über die weitere Kooperation der Jiuling-Schule mit der GDCF Düsseldorf e.V. und der chinesischen Schule Düsseldorf e.V.


Mittlerweile ist es 13:15 also höchste Zeit, dass es zum Essen geht. Während des Essens und bei der anschließenden Besichtung von Jiangyou und einer nahegelegenen buddhistisch-taoistischen Tempelanlage, die ebenfalls während des Bebens erheblich zerstört wurde, gibt es genügend Zeit zu tiefer gehenden Einzelgesprächen über weitere Kooperationsmöglichkeiten. Viel zu schnell rücken die Zeiger der Uhr vor. Mittlerweile ist es 17:00. Unsere Gastgeber wollen uns nicht hungrig gehen lassen und so nehmen wir in einem Bauernhaus Platz und genießen die einfachen aber schmackhaften Köstlichkeiten der Sichuaner Küche.
Es ist bereits 22:00 Uhr, als wir wieder am Hotel in Chengdu ankommen.

Donnerstag 28. August 2008

Für 12 Uhr ist ein Arbeitsessen mit Frau Qin Lin, Präsidentin der SIFA vorgesehen. Der Empfang fällt herzlich aus, neben Herrn Yang, meinem ständigen Begleiter, dem ich an dieser Stelle nochmals recht herzlich für seine unermüdliche Hilfe danken möchte, ist auch Herr Wang Lan Yang anwesend. Herr Wang ist erst seit sechs Monaten bei der SIFA und ist für Messebeteiligungen zuständig. Frau Qin bedankt sich mehrmals für unsere Hilfe. Sie hofft, dass unser Projekt Modelcharakter bekommt, haben doch die GDCF Donnersbergkreis und die Hamburger Chinagesellschaft ebenfalls angefragt, aber die bisher angebotenen Projekte ausgeschlagen (Kauf von Computern). Angefragt ist von beiden Organisationen die Unterstützung einer Grundschule in den Bergen Sichuans. Dies ist aber derzeit nicht möglich, da das Schulwesen in den ländlichen Regionen Sichuans derzeit reformiert wird. Durch die Zerstörung der bisherigen Schulgebäude durch das Erdbeben werden nun nur noch Schulen in Dörfern aufgebaut, die mehr als 50 Schüler aufweisen können. Da aber eine zunehmende Landflucht feststellbar ist, werden die wenigsten Gemeinden dieses Soll erfüllen können. Somit wird ein Großteil der Schulen in den Bergregionen Sichuans aufgelöst und Schulen wie unsere Jiuling-Schule als zentralisierte Schule eine wichtige Rolle in der Erziehung der Schulkinder spielen.

Michael Ruhland

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